Kritik an GPS-Tracking für Hunde mit Martin Rütter

Jeder macht irgendwann mal Fehler - beim Hundeprofi Martin Rütter macht das Leben da keine Ausnahme und die Erfolgsleiter verlangt oft große Sprünge. Erste Kratzer hat er in meinen Augen abbekommen, als er in dieser unsäglichen Sendung, die total verkorksten Hunden noch eine liebe Heimat geben und diese auch dokumentieren sollte, zusammeführte, was nicht zusammengehört. Wer etwas Plan von Hunden hat, der weiß, dass die Kombi "Großer schwieriger Hund + absolute Hundelaien" nicht funktioniert - selbst dann nicht, wenn Martin Rütter das Verhältnis coacht. Dass der arme Bernhardiner dann den kleinen süßen Hund getötet hat, führte zu unsäglichen Entschuldigungen, aber nicht wirklich zur Konsequenz in der Aussage. Unter dem Strich blieb trotz absolut misslungenem Experiment, dass immer noch Leute ins Tierheim gehen oder Hunde aus Rumänienprojekten holen, ohne wirklich die Qualifikation dafür zu haben. Zu Ehren von Tierhilfe und Tierheim muss man hier sagen, dass die NIEMALS diesen Hund in diese Familie vermittelt hätten und wirklich prüfen, ob das neue Herrchen der Aufgabe auch gewachsen ist.

Fehler zwei ist viel bedenklicher: Martin Rütter mach Reklame für GPS-Tracker für Hunde und begründet seine Empfehlung damit, dass jeder Hund, so gut erzogen er auch ist, irgendwann mal ausbüxt. Da ist es doch gut, wenn man weiß, in welche Richtung er läuft. Und jetzt die Frage für die ganz schlauen Hundebesitzer: Wer findet den Fehler? Ist das Problem, dass er unkontrolliert herumläuft, oder dass ich nicht weiß, in welcher Richtung er unterwegs ist?

Darf ich helfen? Dieser GPS-Tracker wird dafür sorgen, dass Leute, die ihren Hund nicht im Griff haben, wenigstens wissen, wo er kleine Kinder beißt, andere Hunde umbringt oder Verkehrsunfälle verursacht. Wirklich verantwortungsvolle Hundebesitzer werden ihren Hund nur dann frei laufen lassen, wenn sie 99 % sicher sein können, dass der Hund kontrollierbar bleibt. Und niemand, für den ein Ausbüxen die absolute Ausnahme ist, wird sich so einen Tracker kaufen. Hunde mit Jagdinstinkten lassen sich auch nicht einfangen, nur weil man weiß, wo sie sind. In den meisten Gegenden Deutschlands herrscht Leinenpflicht, das Benutzen eines Trackers könnte man im Schadensfall als Vorsatz auslegen ("Läuft Ihr Hund öfter frei herum?")

Martin Rütter: "Jeder Hundehalter, der denkt sein Hund könnte ihm nie abhanden kommen, ist wirklich naiv. Egal wie gut ein Hund erzogen ist, es ist und bleibt ein Lebewesen, das man nicht wie einen Roboter programmieren kann."

Jo, aber wenn man es könnte, dann würde es keinen Spaß mehr machen, dann könnte man sich auch ein Tamagotchi kaufen. Aber ein GPS-System zu kaufen, weil man einen Hund nicht programmieren kann oder daszu nicht in der Lage ist? Wer kommt denn auf sowas? Vor allem, weil so ein Tracker eben die "echten" Risiken des frei Laufens gar nicht aufhebt. Wenn mir ein großer frei laufender Hund entgegenkommt, dann habe ich Angst. Was juckt es mich, ob er sein Handy dabeihat, oder sein Herrchen weiß, wo er ist?

Und: jeder Hundebeitzer weiß, dass man den Hund nicht findet, er lässt sich finden. Wo er ist, bleibt nebensächlich. Martin Rütter spricht oft von der anspruchsvollen Kommunikation zwischen Hund und Herrchen: Jeder Hund wird merken, dass er sich keine Sorgen machen muss, Herrchen findet ihn ja sowieso.

Und nochmal zu diesem Zitat: Natürlich kann man Hunde nicht programmieren - deshalb tragen manche Hunde einen Maulkorb, andere brauchen eine Leine, andere nicht. Es ist der Reiz des Hundebesitzes, eine Bindung aufzubauen und sicher sein zu können, dass nichts passiert. Gibt es diese Bindung nicht, dann ist ein Tracker nicht Teil der Lösung, sondern des Problems. Werbung für GPS-Tracker ist außerhalb der Zielgruppe (Jagd- und Begleithunde, Spürhunde, Rettungshunde) genau das, was man in diesen Zeiten nicht braucht.

Wer da einigermaßen logisch denkt: Martin Rütter bietet ein Produkt, das niemand braucht, der sich selbst als verantwortungsvoller Hundebesitzer bezeichnen würde. Er empfiehlt ein Gerät, das dafür sorgen wird, dass unkontrollierbare Hunde noch häufiger von der Leine gelassen werden.

Lieber Herr Rütter, Sie sind ein so sympathischer Mensch, warum machen sowas?

Hundebesitzer, die sich aufgrund Ihrer Empfehlung für ein GPS-Tracking entscheiden, werden ihre Hunde frei laufen lassen und diese Hunde werden nicht nur munter herumspringen, sondern auch Dinge anstellen, vielleicht schlimme Dinge. Wenn ein Hundebesitzer seinen Hund von der Leine nimmt, dann ist und bleibt das ein erhabener Moment (wenn es funktioniert). Lassen Sie uns das und bewahren Sie uns vor einer Welt, in der selbst Hunde ein Handy haben sollten, "weil man sie nicht programmieren kann!" Natur ist nun mal Natur....

Der einzige Vorteil, den ich sehe: Wenn mein Hunde überfahren wird, dann weiß ich wo er liegt...

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