Verbraucherschutz.tv bekommt zu Themen, die sich mit Abbuchungen von Gebühren für Onlinedienste befassen jeden Tag mindestens 20 Mails mit folgendem Inhalt:
1. Ich habe mich da niemals angemeldet 2. Ich werde die verklagen.
Zu aller erst einmal: Ich kann diesen Ärger verstehen und meine Sympathien sind immer auf der Seite der Opfer, so ungeschickt sie sich auch manchmal anstellen. Da sich 1 und 2 als die wichtigen Punkte erwiesen habe, möchte ich darauf jetzt mal eingehen. Weil micht jetzt wieder alle Leute falsch verstehen wollen: Ich sage nicht: "Zahl das besser" - ich mache nur Werbung für einen Intelligenz besetzteren Umgang mit diesem Thema.
Folgenden Mail bekam ich heute (Abdruck stellvertretend für die 20 anderen)
Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben zwei Mobilfunkverträge bei BASE für unser Kinder abgeschlossen. Durch den Verlust des Handys meines Sohnes und die dadurch verbundene Kartensperrung, fiel uns ein sehr hoher Betrag (89€) im Juli 2011 auf, der von der mindmatic ag abgebucht wurde. Im Juli 2011 war für drei Monate der Internetzugang über BASE frei, unser 12 jähriger Sohn kann sich nicht erinnern bzw war sich nicht bewusst ein Abo mit irgend einem Vertragspartner abgeschlossen zu haben. Können Sie uns helfen bzw sagen wie wir weiter vorgehen sollen. Auf der mindmatics ag Internetseite kann man nur 100 Tage zurück einsehen, mit wem man evtl. ein Abo abgeschlossen hat. MfG, S.
Mit 5 Jahren verbaucherschutz-Erfahrung rund um Onlineverträge lese ich daraus:
Wir haben für unsere nicht geschäftsfähigen Kinder Verträge abgeschossen, die ihnen ermöglichten, Verträge in unserem Namen abzuschließen. Es entstanden Kosten in Höhe von 89 Euro, die wir uns wahrscheinlich von der Backe putzen können.
Natürlich helfe ich gern: Erstens bitte ich, wirklich mal zu kontrollieren, ob der Sohn nicht vielleicht doch..... 2. empfehle ich, Kontakt aufzunehmen mit dem Ziel eine Einigung zu finden mit einem Aufwand, der dem wirtschaftlichen Schaden angemessen ist
Man kann da jetzt lange diskutieren, zumal, wenn die Mails nicht so erfreulich sachlich sind wie die oben zitierte, sondern sofort Anwalt, Staatsanwalt und Richter in Anspruch genommen werden. Für mich gibt es aber nur folgende Konsequenzen:
1. Sichern Sie die Handys Ihrer Kinder Verhindern Sie durch Sperrung, dass Kinder diese Dienste nutzen können und stellen Sie durch monatliche Kontrolle der Einzelverbindungsnachweise sicher, was Ihre Kinder gemacht haben.
2. Begrenzen Sie den Schaden Stellen Sie sofort nach dem Erkennen von Abbuchungen sicher, dass das aufhört. Also kündigen Sie die Abos. Holen Sie sich das Geld über Ihr Konto nur zurück, wenn Sie wirklich sicher sein können, dass Sie das Recht dazu haben.
3. Beruhigen Sie sich! Ich habe mit Leuten telefoniert, die stehen wegen 4,99 vor dem Herzinfarkt. Ihre Kinder werden mit 18 noch ganz andere Sachen machen - Autos kaputtfahren oder ähnliche Dummheiten machen. Natürlich müssen Sie diesen Forderungen kritisch gegenüber stehen. Aber wenn Sie sich 2 Jahre die Einzelverbindungsnachweise Ihrer Handyverträge nicht anschauen, dann liegt auch etwas Mitschuld an Ihnen - es ist IHR Vertrag. Sie haben dafür unterschrieben. Es ist Ihr Fehler, nicht der Ihrer Kinder.
4. Seien Sie realistisch In den meisten mir vorliegenden Fällen - und es gibt auch begründete Ausnahmen - sind die abgerechneten Abos auch geschlossen worden. Bohren Sie nach, nutzen Sie technische Hilfsmittel. In 90 % aller Fälle ist es zum Vertragsschluss gekommen. Wenn mir ein 12 jähriger sagt: "Nein, ich habe mir das neue Leben und das Laserschwert für meinen Helden nicht gekauft!", dann seien Sie skeptisch - Sie hätten in seinem Alter auch alles getan, um Ihren Helden zu retten und an das goldene Schwert zu kommen. 5. Bleiben Sie auf dem Teppich Sie können die Anbieter nicht wegen Betruges verklagen. Was die tun ist - je nach Definition - Abzocke, aber es ist kein Betrug. Alle Verfahren, von denen ich Kenntnis habe, sind eingestellt worden, meist kommt es nicht mal zur Verfahrensaufnahme. Selbst privatrechtliche Verfahren, die zugunsten der Opfer ausgegangen sind, sind mir nicht bekannt.
Warum ich das hier schreibe? Es hat sich in 5 Jahren verbraucherschutz.tv keine spürbare Veränderung eingestellt. Die Menschen waren, sind und bleiben zu sorglos, agieren erst, wenn das Kind im Brunnen liegt. Und das ist der einzige Grund, warum Geschäftsmodele wie diese Handyabzocke weiter mit hohen Zuwachsraten funktionieren.
An alle Opfer: Es fängt bei euch an! Die Geschäftemacher nutzen nur eure Unbedarftheit aus.